Ich hatte ja noch angekündigt über die norwegischen Abitur-Feierlichkeiten zu berichten. Das kommt ja ziemlich spät, da diese Zeit schon ein bisschen her ist, aber, aber trotzdem halt…
Die Norweger haben 13 Jahre Schule und am Ende des dritten Jahres hat man Abitur Examen, ähnlich wie bei uns. Wenn man mit der Schule fertig ist gibt es hier grosse, sehr grosse Feierlichkeiten. Zwischen dem 1. Mai (Die Arbeiterbewegung ist sehr tief in der norwegischen Kultur verankert) und dem 17. Mai. (Aufmerksame Leser meines blogges sollten wissen warum 17. Mai…) Diese Zeit ist die sogenannte „Russeitda“ (Russ = Abitur, hat nichts mit Russen oder so zu tun, heisst aber trotzdem so…) Die Abiturienten heissen in dieser Zeit schlicht „Russ“ was auch nichts mit Russen zu tun hat, wobei der russische Austauschschüler der hier ist doch sehr verwirrt war, dass auf einmal alle „Russ“ waren. Es gibt sehr viele Traditionen für diese Zeit und alle Lehrer sollten diesen Bericht lesen und sich danach nicht mehr beschweren, dass Deutschen Abiturienten zuviele komische Sachen machen.
Ein kompletter „Russ“ besteht zuerst einmal aus drei Sachen:
Zuerst einmal hat jeder Russ seine Latzhose, die man während der gesamten Russtid nicht ausziehen darf, wenn man es tut wird ein Bein abgeschnitten. Also ein Hosenbein, nicht das von dem Menschen, das war vermutlich in der Wikingerzeit so. Die Latzhosen haben verschiedene Farben je nach dem welchen Schulzweig man hat. Die meisten sind rot, weil das der allgemeine Zweig ist, jedoch gibt es auch einige die schwarz, blau oder grün haben. Wenn ich „Russ“ wäre hätte ich eine rote Hose bekommen, weil ich den Sportzweig habe. An diesen Hosen kann man also immer gleich erkennen, wer „Russ“ ist und die ganze „Stadt“ scheint voll von roten Latzhosen zu sein. Genau wie seine Latzhose muss ein „Russ“ auch immer seine „Russekort“ bei sich haben. Das sind so in etwas Visitenkarten, die sich jeder selbst gestalltet und dann mehrer hundert drucken lässt. Darauf ist meistens ein Foto, persönlichen Daten und irgendwelche lustigen Sprüche. (Also meistens sind sie nur für besoffene „Russ“ lustig…) Die Farbe der Karte ist die selbe wie die Latzhose, also meistens rot. Der Sinn von diesen Karten ist unergründlich, jedoch sammeln alle Kinder begeistert diese Karten. Alle norwegischen Kinder haben zu Hause eine Karton mit gesammelten „Russekort“ von meist fremden Jugendlichen. Dabei ist es besonders cool, wenn man seltene Farben, wie grün oder blau bekommt. Deshalb laufen zwischen dem 1. und 17. Mai immer alle Kinder hinter den Jugendlichen mit den Latzhosen her und betteln um Karten. Was die Kinder mit den Karten eigentlich mache und woher diese Tradition kommt weiss keiner, aber vielleicht sitzen sie ja heimlich zusammen und benutzen sie wie Pokemon Karten…
Kinder die fleissig am Karten sammeln sind die die Russ am 17. Mai bei den Nationaltagsfeierlichkeiten verteilen.
Dann hat noch ein jeder Abschlussschüler eine lustige Mütze, die in der Farbe des Zweiges ist. Diese Mütze („Russelue“) spielt eine sehr zentrale Rolle. Denn jetzt kommen wir wohl zu der lustigsten oder verrücktesten Sache in der „Russetid“. Die „Russeknuter“ sind Aufgaben die man erfüllen kann. Wenn man eine Aufgabe erfüllt hat bekommt man einen bestimmten Gegenstand die man sie an seine Mütze binden kann. Die Aufgaben werden von einer Art Abiturkomite festgelegt. An meiner Schule gibt es 111 davon.
So ihr steht jetzt bestimmt verwirrt dort und fragt euch: „hä was für Aufgaben und Gegenstände und wozu das ganze?“ Die Frage nach dem wozu könnt ihr euch sparen, es ist einfach aus Spass an der Freude. Aber damit ihr euch das ein bisschen vorstellen könnte hier ein par Beispiele. Die Aufgaben sind sehr verschieden, es gibt harmlose lustige, irgendwelche Ess- und Saufgeschichten, ein bisschen gemeine und auch ein par Sachen die mit Sex usw zu tun haben und auch ein par sehr nette, wo man eine gute Tat begehen muss
Ich fange mal mit ein par harmlosen, die ich ganz lustig finde…
- Vor dem ersten Janur im Fjord oder Fluss baden (man bekommt davor einen Eisstil an seine Mütze)
- Unterhalte Menschen im Kino bevor der Film beginnt ( Kinoticket)
- Einen Tag eine andere Sprache (oder anderen Dialekt sprechen (Fagge des Landes, Foto eines Promis der den Dialekt spricht)
- Übernachte im Garten von einem Lehrer (Blume aus dem Garten)
- Starte eine Unterschriftenkampagne für etwas total unnotwendiges und sammle mindestens 30 Unterschriften (Radiergummi)
und und und… Wer es lustig findet, dem erzähle ich noch mehr
Ess- und Saufsachen sind die Dinge wie ein Big-mag in drei Sekunden essen, sich mit verbundenen Augen gegenseitig mit Yougurt füttern oder eine FLasche Wein mit einem Tampong im Mund drinken usw…
Die gemeinen Sachen drehen sich meistens um die armen erstklässler (also 11klässler) die entführt werden sollen, denen ihr Fühstück geklaut werden soll oder die bezahlt werden sollen, damit sie für eine Pause der Sklave eines „Russ“ sein soll… Der gemeinste den es eigentlich gibt, ist durch eine Grundschule zu gehen, ohne eine einzige „Russekort“ zu verteilen.
Die Sex Sachen sind teilweise ziemlich heftig, zB „habe draussen sicheren Sex“ oder „Sex mit einem Erstklässler“ oder „renne nackt über die Brücke oder sitzte nackt eine ganze Frühstückspause in der Kantine.
Es gibt aber auch gute Dinge wie „Süssigkeiten ist das Fenster eine Grundschule schmeissen, an der Geld Sammel Aktion der Abiturienten für eine guten Zwecke teilnehmen. Oder EInen Wildfremmden mit einem „Russebuss“ abholen und ihn hinfahren wo er will. Ein Russebuss ist ein alter Buss, er zu einer Art Partybuss ungemaut wird mit dem man in der Russzeit rumfährt. Einige sind ziemlich, ziemlich heftig und jedes Jahr gibt es einem Wettbewerb welche Schule den Besten Bus hat. Allerding haben nicht alle so einen Buss, meine Schule hatte nur einen.
SO jetzt habt ihr über ein par Russeknuter (Knute = Knote) erfahren, es gibt aber noch unzählige andere, die auch sehr lustig sind und noch ein par die die meisten, also ich nicht so lustig finde. Ich bin ja im zweiten Jahr also nicht im dritten wie die Russ und habe nicht so viel mit denen zu tun, aber ich kenne ein par vom Leichahtletik und habe auch eine lustige Russknuter live miterlebt. Zum Beispiel habe ich mehrere Menschen gesehen die eine Krabbe an eine Leine in der Schule rumführen und sie wie ein Haustier behandeln oder Menschen die auf Skiern (ohne Schnee) von der Schule in die Stadt gelaufen sind. Fast alltäglich war es auch, dass Motoroller von erst und zweitklässer versteckt wurden oder versucht wurde irgendwelchen Schülern das Essen zu klauen oder einen Bart zumalen.
Russ mit Mütze und Gegenstände für erfüllte Knoten
Naja es gibt noch viele andere lustige Traditionen und natürlich sehr viel Party und viel Saufen…
Dass war dann ein kleiner Einblick, fragt mich einfach, wenn ihr irgendwas nicht verstanden habt oder noch mehr wissen wollt.
Ihr könnt euch ja denken wer Abi am Rats 2012 revolutionieren wird…



